Essplorer
Farbpuderparties - ein nicht ganz ungefährlicher Trend?ivy_photos/Shutterstock.com

Farbpuderparties - ein nicht ganz ungefährlicher Trend?

Holi-Color-Festivals, Holi-Power-Party, Farbrausch oder Farbpuder-Partys – wie sie auch genannt werden, sie haben dasselbe Konzept: Ein großes Gelände, laute Musik, ausgelassene Stimmung und vor allem jede Menge Farbe. Unbedenklich sind die Farbpuder, die dabei auf Kommando in die Luft geworfen werden, allerdings nicht. Vor allem Asthmatiker und Allergiker sollten diese Festivals mit Vorsicht genießen, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind sie überhaupt nicht geeignet.

„Holi“ ist das traditionelle „Fest der Farben“ in Nordindien und Nepal. Jedes Frühjahr wird dort über mehrere Tage der Sieg des Frühlings über den Winter gefeiert und dabei mit Farbpuder geworfen. Hierzulande geht es natürlich vor allem um den Spaß.

Und auf Kommando ist alles bunt

Immer häufiger werden Farbpuder-Partys im Internet, vor allem über soziale Netzwerke, beworben und laden zahlreiche Besucher zum farbenfrohen Feiern ein.
Ausgerüstet mit Farbpuderbeuteln, die vor Ort oder auch im Internet für ca. zwei bis drei Euro erhältlich sind, startet die Party und alle Besucher werfen gleichzeitig ihren Farbpuder in die Luft.
Innerhalb kürzester Zeit ist das Gelände in eine bunte Farbwolke gehüllt, die Besucher sind von Kopf bis Fuß voller Farbe. Optisch wirken die Farben auf weißer Kleidung sicherlich besonders gut. Doch hier gibt es schon die ersten Probleme: Die Hersteller garantieren nicht, dass sie sich allein durch Waschen und gar vollständig entfernen lassen. Auch in gefärbten, blondierten und strukturgeschädigten Haaren setzt sich der Puder leicht fest und lässt sich nicht immer sofort auswaschen, so ein Hinweis in einem Online Shop. Zahlreiche Berichte Betroffener in Internetforen beschreiben Haarverfärbungen, die selbst Friseure nicht auf Anhieb beseitigen können.

Knallbunter Farbpuder – tatsächlich unbedenklich?

Trotz häufig angepriesener Unbedenklichkeit findet man auf den Internetseiten der Hersteller, in Online-Shops und auf den Verpackungen Warnhinweise. Asthmatiker und Allergiker sollten auf den Farbspaß verzichten oder zumindest eine Atemschutzmaske tragen, um das Pulver nicht direkt einzuatmen. Die Farbpuder seien zudem ausschließlich zur Benutzung durch Erwachsene gedacht und für Personen unter 18 Jahren ungeeignet. Weiterhin sollten die Farben nicht in die Augen, den Mund oder auf die Schleimhäute gelangen. Vor allem Kontaktlinsenträgern wird zu einem Augenschutz, wie beispielsweise einer Taucher- oder Schutzbrille, geraten. Für blondiertes Haar findet man Empfehlungen, es vorher mit Olivenöl einzureiben, damit sich das Pulver besser auswaschen lässt. Ob der Spaß das alles Wert ist, bleibt Ansichtssache.

Farbpuder kann kritische Farbstoffe enthalten!

Die Verbraucherzentrale hat stichprobenartig einige Online-Shops für Farbpuder überprüft und dabei festgestellt, dass die Inhaltsstoffe der Produkte häufig gar nicht angegeben werden. Falls doch, bilden meist Mais- oder Reismehl die Grundlage sowie verschiedene Farbstoffe. Ein Produktbeispiel enthält unter anderem die Farbstoffe Tartrazin und Erythrosin, die zwar als Lebensmittelzusatzstoffe und für Kosmetikprodukte zugelassen sind, in Einzelfällen aber allergieauslösend sein können. Tartrazin beispielsweise kann auch Atembeschwerden und Hautausschläge hervorrufen. In einem original indischen Produkt wurden nach einer Mitteilung des Deutschen Allergie und Asthmabundes e.V. möglicherweise krebserregende Inhaltsstoffe, darunter der Farbstoff Malachitgrün nachgewiesen.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist das Einatmen von Puder- und Farbpartikeln sehr problematisch. Betrachtet man jedoch die Farbwolken, in denen auf den Farbpuder-Partys gefeiert wird, dürfte es schwierig werden, keine Farbpartikel einzuatmen!
Gefährlich ist dies für Asthmatiker, Allergiker und Kleinkinder bis zu drei Jahren. Bei ihnen können die Farbpuderwolken akute Atembeschwerden auslösen. Gelangen besonders bei Kleinkindern Puderpartikel in die tieferen Atemwege, können sie dort (wie alle feinen Stäube) Entzündungen hervorrufen. Im schlimmsten Fall entwickeln sich Belüftungsstörungen und schwere Lungenentzündungen.