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Ist Stevia eine Alternative zu Zucker?hjschneider/Shutterstock.com

Ist Stevia eine Alternative zu Zucker?

Ist Stevia eine gesunde Alternative zum Zucker?

Nicht unbedingt. Die süßenden Teile der Steviapflanze, die Steviolglykoside, sind 200 bis 300mal süßer als Haushaltszucker, bringen dabei keine Kalorien mit und verursachen keine Karies. Das klingt erstmal gut. Diese Vorteile nutzen auch Hersteller häufig, um sie als gesunde Alternative zu Zucker zu bewerben. Dass Steviolglykoside den Blutzucker und den Blutdruck senken, Zahnbelag oder gar das Wachstum von Bakterien hemmen soll, liest man zwar häufig im Internet, bewiesen ist das aber nicht.
An die intensive Süße von Süßungsmitteln wie Steviolglykosiden gewöhnt man sich sehr schnell. Die Schwelle, bei der wir Süßgeschmack als solchen wahrnehmen, steigt dadurch. Das kann dazu führen, dass man häufiger und mehr Appetit auf süße Lebensmittel bekommt und auch mehr davon isst oder trinkt. Vor allem für Kinder und Jugendliche empfiehlt die Verbraucherzentrale daher, nur selten Produkte mit Süßungsmittel zu essen.
Zudem sorgt normaler Haushaltszucker nicht nur für einen intensiven Geschmack sondern auch für Struktur und Wasserbindung in Lebensmitteln. Süßstoffe wie Stevia können das nicht ersetzen – daher müssen entweder andere Zutaten, die diese Funktion erfüllen, eingesetzt werden, die aber gleichzeitig auch Kalorien mitbringen. Das ist aber nicht immer möglich, beispielsweise beim Kuchenbacken, da Zucker hier zum einen für den sogenannten Körper sorgt und zum anderen für die Bräunung („Maillard-Reaktion“) wichtig ist.
Tipp: Genau hinschauen lohnt sich: In Produkten wie Marmelade oder Joghurt, die mit Steviolglykosiden gesüßt sind, ist häufig nur ein Teil des Zuckers durch ersetzt. Im Vergleich sind sie dadurch oft nicht viel kalorienärmer als das Originalprodukt.

Ist Stevia nicht viel natürlicher?

Nein, denn reine Steviablätter dürfen in Europa überhaupt nicht als Zutat für Lebensmittel verwendet werden. Nur die herausgelösten süßenden Inhaltsstoffe der Stevia-Pflanze, die Steviolglycoside, sind dafür zugelassen. Sie werden durch ein aufwendiges chemisches Verfahren, bei dem viel Wasser und Energie verbraucht wird, aus den Blättern gewonnen und konzentriert. Was dabei herauskommt, hat mit Natürlichkeit nicht mehr viel zu tun. Steviolglykoside zählen zu den Süßungsmitteln, also zu den Zusatzstoffen. Wie alle anderen Zusatzstoffe auch, müssen sie in der Zutatenliste entsprechend benannt werden: als „Süßungsmittel Steviolglycoside“ oder auch mit E-Nummer als „Süßungsmittel E960“.

Welche gesundheitlichen Risiken sind mit Stevia verbunden?

Alle Lebensmittelzusatzstoffe, so auch Süßungsmittel (und damit Steviolglykoside) müssen für den Einsatz in Lebensmitteln zugelassen werden. Dafür müssen sie eine Prüfung durchlaufen, die bestätigt, dass sie für den Menschen gesundheitlich unbedenklich sind. Frühere Bedenken, dass Stevia krebserregend sei, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2010 in einem Gutachten widerlegt.
Für Steviolglykoside und viele andere Zusatzstoffe gibt es aber einen so genannten ADI-Wert (acceptable daily intake). Das ist die Menge, die selbst dann zu keinen gesundheitlichen Schäden führt, wenn man sie täglich und ein Leben lang zu sich nimmt. Bei Steviolglykosiden liegt diese maximal empfohlene Menge pro Tag bei 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und sollte unbedingt eingehalten werden. Das Problem: Auf den meisten Produkten stehen die enthaltenen Mengen Steviaolglykosiden überhaupt nicht drauf.

Ein Beispiel, durch welche Lebensmittel dieser ADI-Wert – vor allem bei Kindern – durchaus erreicht werden kann, zeigt die Grafik:

Bei Süßstoffen gibt es doch generell das Problem, dass die Bauchspeicheldrüse denkt, dass sich Glukose im Körper befindet, aber dann keines kommt, und dies den Stoffwechsel durcheinander bringt. Stimmt das?

Zu dieser Frage findet man – vor allem im Internet – sehr viele und unterschiedliche Meinungen. Es ist nicht bewiesen, dass Süßstoffe beim Menschen eine Insulinausschüttung durch die Bauchspeicheldrüse bewirken. Im Gegenteil: In der aktuellen Literatur findet man klare Aussagen wie „kein Einfluss auf Insulinsekretion“ 1 (Insulinausschüttung) und „beeinflussen den Blutzuckerspiegel nicht“ 2.

1 Quelle: Hahn/Ströhle/Wolters: Ernährung, 3.Auflage 2016
2 Quelle: aid infodient: Zucker, Sirupe, Honig, Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe, 2014

In unserem Mund befinden sich Rezeptoren (Empfänger für bestimmte Signale) für jede Geschmacksart, so auch für Süßes. Von diesen Süß-Rezeptoren werden sowohl Zucker als auch Süßstoffe wahrgenommen. Diese Wahrnehmung kann dazu führen, dass man mehr Lust auf Süßes bekommt und auch mehr davon isst.