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Kennzeichnungswirrwarr: Saft, Nektar oder Schorle?Lonely/Shutterstock.com

Kennzeichnungswirrwarr: Saft, Nektar oder Schorle?

Verbraucherfrage:

Im Supermarkt habe ich eine Flasche „Bio Schorle Apfel aus Direktsaft“ in einer Einwegflasche gekauft. Üblicherweise sind diese Flaschen mit einem Pfand belegt – diese ist aber pfandfrei. Ist das zulässig?

Unsere Meinung dazu:

Fraglich,
denn aus Ansicht der Verbraucherzentrale handelt es sich bei Produkten, die als (Frucht-)
Schorle betitelt werden und entsprechende Zutaten enthalten, rechtlich gesehen um Erfrischungsgetränke. Als solche unterliegen sie der Pfandpflicht. Verwirrend: Kleingedruckt auf der Rückseite bezeichnet der Hersteller das Getränk als „Fruchtnektar“. Tatsächlich enthalten sind laut Zutatenliste Apfelsaft, natürliches Mineralwasser und Kohlensäure.

Saft, Nektar oder Schorle – was denn nun?

Auf der Produkt-Vorderseite prangt der Name „Bio Schorle Apfel aus Bio Direktsaft“, auf der Rückseite wird das Getränk aber widersprüchlich als „Bio Apfelnektar aus kontrolliert biologischem Anbau. Mit Apfeldirektsaft aus Süddeutschland/Südtirol. Fruchtgehalt: mindestens 50%“ bezeichnet.

Die verwendeten Begriffe werden unterschiedlich definiert:

  • Apfelschorlen sind gemäß den Leitsätzen für Erfrischungsgetränke definiert als Getränke mit Fruchtgehalten, die vergleichbar mit Apfelnektar sind. Sie enthalten zudem Trinkwasser, Mineralwasser, Quell- und / oder Tafelwasser sowie Kohlensäure.
  • Apfelnektar enthält nach der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränke-Verordnung einen Fruchtgehalt von mindestens 50 Prozent. Die Zutat Kohlensäure ist nicht vorgesehen.
  • Direktsäfte und Fruchtnektare (wie Apfelnektar) fallen unter den Ausnahmetatbestand der Verpackungsverordnung und sind von der Pfandpflicht befreit

Da das Getränk sowohl Fruchtnektar als auch Kohlensäure enthält, handelt es sich aus Sicht der Verbraucherzentrale um eine Apfelschorle und damit um ein Erfrischungsgetränk. Die Pfandpflicht ist hier klar geregelt und sieht ein Einwegpfand von 0,25 Euro vor.

Pfandpflicht

Mit der Einführung des Pflichtpfandes für (die meisten) Einweggetränkeflaschen sollte ein Anreiz geschaffen werden, die Umwelt zu entlasten und Verpackungsmüll zu vermeiden. Das Pfandsystem fördert auch das Recycling von so genannten „Sekundärrohstoffen“ wie PET durch die sortenreine Erfassung im Vergleich zur haushaltsnahen Sammlung über den „gelben“ Sack oder die „gelbe“ Tonne. Gerade bei Bioprodukten erwarten viele Verbraucher ein umweltverträgliches Produkt über alle Produktionsstufen hinweg. Das betrifft den Anbau der Zutaten bis hin zur Entsorgung der Verpackung.
Zahlreiche Hersteller vergleichbarer Getränke verwenden für den Produktnamen und die rechtliche vorgeschriebene Beschreibung des Inhalts, die so genannte Bezeichnung einheitlich den Begriff „Apfelschorle“ und belegen diese mit einem entsprechenden Pfand in Höhe von 0,25 Euro. Insofern liegt beim hier beschriebenen Produkt „Bio Schorle Apfel“ aus Sicht der Verbraucherzentrale eine Wettbewerbsverzerrung vor, die untersagt werden sollte. Die Verbraucherzentrale wird den Vorgang juristisch prüfen.