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Vorverpackter Käse - frisch vom Laib?Lonely/Shutterstock.com

Vorverpackter Käse - frisch vom Laib?

Verbraucherfrage:
Beim Kauf einer Packung Käse fiel mir auf, dass die Veterinärkontrollnummer nicht auf den Hersteller des Käses verweist, sondern auf eine Verpackungsfirma. Die Verpackungsfirma bewirbt ihre Leistungen im Internet wie folgt: „Wir haben ein Bedien-Concept entwickelt, dass die prePack-Ware (prepacking Wurst und Käse) dem Verbraucher wie frisch geschnitten vom Bedienpersonal erscheint. Unsere Ware ist nicht als SB-Produkt anzusehen. Es ist die gleiche Ware, die an der Theke verkauft wird. Sie ist nur bereits fertig geschnitten und verpackt. Deshalb sollte sie neben der Bedienungstheke platziert sein, damit der Kunde das Gefühl hat, bedient zu werden, falls die Theke mit Kunden überlaufen ist oder nicht besetzt sein sollte“. Ich halte das für Verbrauchertäuschung.

Unsere Meinung dazu:
Das ovale Identitätskennzeichen ist eine Pflichtkennzeichnung auf tierischen Lebensmitteln. Es stellt keine Verbraucherinformation dar, sondern dient der Lebensmittelüberwachung bei der Rückverfolgbarkeit des Produkts. Es gibt Auskunft darüber, wo das Lebensmittel zuletzt verarbeitet oder verpackt wurde. In Deutschland wird das Kennzeichen von den jeweiligen Zulassungsbehörden der Bundesländer vergeben. Damit ist sichergestellt, dass der Betrieb, der das Erzeugnis zuletzt behandelt oder verpackt hat, nach EU-weiten Hygienestandards arbeitet und ständig überwacht wird.
Prepacking bedeutet nichts anderes als vorverpackte Ware. Dabei kann es sich einerseits um Ware handeln, die vom Personal vor Ort geschnitten und abgepackt wurde. Andererseits kann es aber auch von einem Verarbeitungsbetrieb abgepackte Ware sein, die bereits vorverpackt beim Händler angeliefert wird. Wie Sie richtig beschreiben, handelt es sich in Ihrem Fall um Schnittkäse, der von der Firma mit Sitz in Thüringen verpackt und dann an den Supermarkt hier in Süddeutschland geliefert wurde. Der Schnittkäse unterscheidet sich somit nicht von anderen SB-Waren, die der Verbraucher selbst aus dem Kühlregal entnehmen kann. Die Platzierung der vorverpackten Ware in sogenannten Cabrio-Theken direkt neben der Bedientheke, in der häufig auch vom Bedienungspersonal abgepackte Ware liegt, ist eine Verkaufsstrategie. Dem Kunden wird suggeriert, dass die Ware gerade frisch, eben wie in der Bedienungstheke, aufgeschnitten wurde. Erst beim genaueren Hinsehen kann man auf der Rückseite erkennen, dass es sich um vorverpackte Ware handelt. Da die Kennzeichnung korrekt ist, gibt es derzeit keine gesetzliche Grundlage, die diese Verkaufsstrategie untersagt. Die Verbraucherzentrale behält sich aber eine weitere rechtliche Prüfung vor.