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Superfood - Teil 1: Acai-Beerenmarekuliasz/Shutterstock.com

Superfood - Teil 1: Acai-Beeren

Herkunft: Brasilien
Pflanze: Kohl- oder Assaipalme
Angeboten als: getrocknet als Pulver, Saft
Preis: 10-20 Euro pro 100g Pulver, 20-30 Euro pro Liter Saft bzw. Püree

Werbung und Wirklichkeit:

  • Açaí-Beeren werden vor allem mit einem hohen Anthocyangehalt beworben. Anthocyane sind Pflanzenstoffe, die eine antioxidative Wirkung haben, das heißt im Körper Radikale abfangen. Diese Eigenschaft trifft aber generell für alle blauen, violetten und roten Gemüsesorten und Früchte, wie Heidelbeeren, Kirschen, Trauben oder Rotkohl zu. Vergleicht man die wenigen vorhandenen wissenschaftlichen Daten zur Açaí-Beere, sind ihre Anthocyangehalte mit denen der heimischen Heidelbeere oder Sauerkirsche vergleichbar – und die kann man je nach Jahreszeit auch noch frisch genießen!
  • Laut Internet sollen Açaí-Beeren den Stoffwechsel ankurbeln und dadurch beim Abnehmen helfen. Doch 90% der runden Steinfrüchte macht der fetthaltige Samen aus, wodurch es die Beere auf einen satten Fettgehalt von bis zu 45g pro 100g schafft. Das zeigt sich auch im hohen Kaloriengehalt, der ungefähr sieben Mal höher ist als der von Heidelbeeren. Dass außerdem wissenschaftliche Nachweise zur angeblich schlankmachenden Wirkung fehlen, spricht nicht gerade für die Açaí-Beere als Diäthilfe.
  • Açaí-Beeren haben einen hohen Ballaststoffgehalt (23,9g pro 100g) und ein günstiges Fettsäuremuster (70% ungesättigte Fettsäuren). Außerdem liefern sie wertvolle Mineralstoffe und – für eine Frucht – viel Calcium, Kalium und Vitamin E. Auch der Mangangehalt ist vergleichsweise hoch. Allerdings kann zu viel aufgenommenes Mangan dazu führen, dass Eisen schlechter aufgenommen wird. Das sollte vor allem bei Kindern, Vegetariern und Personen mit Eisenmangel beachtet werden.
  • Während Açaí-Beeren in ihrem Herkunftsland meist frisch gegessen werden, erreichen sie Europa bereits getrocknet oder gefroren. Denn Açaí Beeren verderben innerhalb kürzester Zeit. Wie viele Nährstoffe durch die Verarbeitung und den Transport verloren gehen, lässt sich schwer abschätzen. Auch der Erntezeitpunkt ist entscheidend: Im vollreifen Zustand ist der Gehalt an Antioxidantien am höchsten. Wegen der starken Nachfrage werden die Beeren aber häufig zu früh gepflückt und verarbeitet.

Fazit:
Wunderwirkungen sollte man von Açaí-Beeren nicht erwarten, denn dafür fehlen vor allem gesicherte Nachweise. Schaden wird Açaí zumindest in üblichen Mengen aber auch nicht, wobei gerade bei exotischen Lebensmitteln allergische Reaktionen nicht ausgeschlossen werden können. Wer frische und heimische Lebensmittel bevorzugt, kann auch zur Heidelbeere greifen – denn die kann auch bei den Inhaltsstoffen durchaus mithalten.