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Superfood - Teil 3: Goji-Beerenmarekuliasz/Shutterstock.com

Superfood - Teil 3: Goji-Beeren

Herkunft: China, Nordafrika
Pflanze: Gemeiner Bocksdorn
Angeboten als: Saft, getrocknete Beeren
Preis: 20-30 Euro pro Liter Saft, 2-4 Euro pro 100g getrocknete Beeren

Werbung und Wirklichkeit:

Goji-Beeren werden besonders hohe Gehalte an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen zugeschrieben. Immer wieder stößt man bei Internetrecherchen auf direkte Nährstoffvergleiche mit anderen Lebensmitteln wie Orangen oder Milch – diese werden allerdings pro 100 g angestellt. Wirklich aussagekräftig sind solche Vergleiche aber nur mit realistischen Portionsgrößen, die bei den meisten frisch verzehrten Lebensmitteln deutlich höher ausfallen, wie die Tabelle an drei Beispielen zeigt.

Daten zu sekundären Pflanzenstoffen liegen bisher nicht vor. Auch wertvolle Aminosäuren und Spurenelemente sollen Goji-Beeren liefern. Jedoch ist keine der Wunderwirkungen, die den Beeren dadurch zugeschrieben werden, ausreichend belegt. Deshalb hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bisher auch alle beantragten gesundheitsbezogenen Aussagen (Health Claims), für Goji-Beeren abgelehnt. Das heißt, auf Produkten aus oder mit Goji-Beeren darf nicht mit solchen Aussagen geworben werden. Mehr Infos zu Health Claims, findest du hier.

Beim Kauf von Goji-Saft lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Manch ein Saft wird hauptsächlich aus anderen Früchten wie Trauben und Grapefruit hergestellt. Goji-Beeren machen in solchen Saftmischungen meist nur einen geringen Anteil aus. Das schlägt sich auch im Preis nieder: Reiner Goji-Saft ist mit 20 bis 30 Euro pro Liter deutlich teurer.

Immer wieder geraten Goji-Beeren durch negative Schlagzeilen in die Kritik. So sind die getrockneten Beeren bei Lebensmittelkontrollen bereits mehrfach durch starke Schadstoffbelastungen aufgefallen. Auch bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest wurde in einer Probe Goji-Beeren (konventionell) sogar 16 verschiedene Pestizide gefunden und eine starke Belastung mit Keimen festgestellt. Die übrigen untersuchten Goji-Beeren stammten aus ökologischer Erzeugung und schnitten deutlich besser ab.

Zudem hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 2013 eine Warnung zu gefährlichen Wechselwirkungen mit Medikamenten veröffentlicht. Goji-Beeren können bei gleichzeitiger Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten eine verstärkte Blutungsneigung hervorrufen. Personen, die solche Medikamente einnehmen, sollten Goji-Beeren und daraus hergestellte Produkte also nicht verzehren, da es sonst zu gefährlichen Blutungen kommen kann.

Fazit:
Nach derzeitiger Einschätzung gibt es keinen Grund, generell vor dem Verzehr von Goji-Beeren zu warnen. Jedoch zeigen vor allem die festgestellten Wechselwirkungen mit Medikamenten, das Goji-Beeren nicht ganz unbedenklich sind. Wen vor allem die Schadstoffbelastungen verunsichern, der sollte auf Bio-Produkte zurückgreifen. Übrigens: Goji-Beeren lassen sich auch im eigenen Garten anbauen. Bocksdorn-Sträucher überstehen auch frostige Tage und gedeihen gut in unserem Klima. So umgeht man nicht nur unerwünschte Inhaltsstoffe sondern auch teuer vermarktete Produkte.