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Superfood - Teil 4: Matchamarekuliasz/Shutterstock.com

Superfood - Teil 4: Matcha

Herkunft: Japan
Pflanze: Teestrauch (Camellia sinensis)
Angeboten als: Pulver
Preis: 10-25 Euro pro 100g (reines Matcha Pulver)

Herstellung:
„Matcha“ heißt übersetzt gemahlener Tee. Um Matcha zu gewinnen, werden die Teesträucher kurz vor der Ernte mit lichtundurchlässigen Netzen beschattet. Das fehlende Sonnenlicht gleicht die Teepflanze mit einer besonders hohen Produktion von Chlorophyll (Blattgrün) aus – dadurch haben Matcha-Blätter eine intensive grüne Farbe. Nach der Ernte werden die Teeblätter gedämpft, getrocknet und gebrochen. So lässt sich das Blattgewebe, auch „Blattfleisch“ genannt, über ein Luftzugverfahren vom Stiel und den Blattadern trennen. Denn für Matcha-Pulver wird lediglich das Blattfleisch verwendet und mit speziellen Granitsteinmühlen so fein wie möglich vermahlen: ein aufwendiger und wenig ergiebiger letzter Schritt.

Zubereitung:
Traditionell wird Matcha-Pulver in Japan mit etwas Wasser angerührt, mit heißem Wasser aufgegossen und mit einem Bambusbesen kräftig aufgeschlagen. Dadurch bekommt der Matcha-Tee eine hellgrüne Schaumkrone. Hierzulande wird Matcha-Pulver nicht nur als Tee zubereitet, sondern häufig auch mit Kuhmilch oder pflanzlichen Milchersatzdrinks (zum Beispiel aus Soja oder Reis) gemischt und als „Matcha Latte“ getrunken. Auch zahlreiche Smoothie-Hersteller haben den Matcha-Trend für sich entdeckt und haben grüne Smoothies mit Matcha in ihr Sortiment aufgenommen.

Werbung und Wirklichkeit:
Ob es im Hinblick auf die Inhaltsstoffe wirklich relevante Unterschiede zwischen gewöhnlichem Grüntee und Matcha-Tee gibt, ist fraglich. Im Gegensatz zu Teeaufgüssen wird beim Matcha-Tee das aufgelöste Pulver und somit das gemahlene Teeblatt mit verzehrt. Die Werbung verspricht daher besonders hohe Mengen an wertvollen Inhaltsstoffen. Außerdem werden angeblich fettlösliche Vitamine, unlösliche Ballaststoffe und Mineralstoffe aufgenommen, die bei Teeaufgüssen im Beutel oder Sieb zurückbleiben. Dafür gibt es aber andere und weitaus ergiebigere Quellen als Tee, zum Beispiel Getreide und Hülsenfrüchte.

Catechine werden im Zusammenhang mit Matcha besonders häufig angepriesen. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken, also im Körper freie Radikale abfangen. Hervorgehoben wird dabei vor allem das Catechin Epigallocatechingallat (EGCC), das bei beschatteten Teeblättern verstärkt gebildet werden soll. Zur positiven Wirkung von Catechinen auf Krebszellen, Alzheimer und Diabetes wird intensiv geforscht. Wissenschaftlich gesicherte Belege dafür, dass speziell der Verzehr von Matcha-Tee einen positiven Effekt zeigt, gibt es bislang aber nicht.

Matcha-Tee gilt als Muntermacher schlechthin. Dabei soll er mit weniger Koffein als Kaffee hellwach und konzentriert, aber weniger unruhig machen. Koffein liegt in Tee in einer anderen Bindung als in Kaffee vor, wodurch es aus Tee langsamer freigesetzt wird. Dadurch tritt auch seine Wirkung später ein und hält länger an. Das gilt aber für alle Grün- und Schwarztees, nicht nur für Matcha.

Wieviel Koffein eine Tasse Matcha enthält, lässt sich nur schwer sagen, denn wie bei allen Naturprodukten schwanken die Gehalte je nach Sorte. Bei Tee und Kaffee kommt es zudem auf die Art der Zubereitung an, also auf die Brühmethode und die Ziehzeit. So gibt es auch für Matcha keine eindeutigen Werte zum Koffeingehalt. Der deutsche Teeverband schätzt den Koffeingehalt pro Tasse Matcha-Tee auf rund 60 Milligramm. Wer reichlich Matcha-Tee trinkt, kann über den Tag verteilt große Mengen Koffein aufnehmen. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind 400 Milligramm Koffein pro Tag unbedenklich, für Schwangere nur halb so viel. Kinder und Jugendliche sollten am Tag nicht mehr als 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen.

Im Kostenvergleich ist reiner Matcha-Tee deutlich teurer als Kaffee oder Grün- und Schwarztee.
Im Handel finden sich zunehmend auch Produkte mit Matcha als Zutat. Hier lohnt sich der Blick auf die Zutatenliste ganz besonders: In „Grüntee mit Matcha“ von bekannten Teeherstellern sind lediglich zwischen 2,5 und 10 % Matcha-Pulver enthalten, teilweise sogar noch vermischt mit Maisstärke. Ein weiteres Produkt, das sich „Power Chai Matcha“ nennt, enthält hauptsächlich Schwarztee – Matcha dagegen taucht in der Zutatenliste fast ganz hinten auf, also mit einem entsprechend geringen Anteil. In einem grünen Smoothie “Spinat & Grünkohl & Matcha“ ist sogar nur eine Messerspitze Matcha-Pulver enthalten.

Fazit:
Matcha liegt im Trend – diese Tatsache muss der Verbraucher neben der relativ aufwendigen Herstellung an der Supermarktkasse bezahlen. Grundsätzlich spricht nichts gegen den Verzehr von Matcha Tee oder daraus hergestellten Produkten, allerdings sollten auch keine besonderen Vorteile gegenüber Schwarz- oder Grüntee erwartet werden. Tee liefert wertvolle Inhaltsstoffe, in üblichen Mengen getrunken ist er dennoch keine herausragende Quelle für bestimmte Nährstoffe – auch Matcha nicht.