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Clean Label – Werbung mit Verzichtmargrit_hirsch/Shutterstock.com

Clean Label – Werbung mit Verzicht

„Ohne Konservierungsstoffe“, „ohne Aromen“, „ohne Zusatzstoffe“- immer mehr Hersteller werben damit, was ihre Produkte nicht enthalten. Dieses „saubere Etikett“, auch „Clean Label“ genannt, hast du bestimmt schon mal gesehen. In erster Linie ist es jedoch Werbung und hält auch nicht immer, was es verspricht.

Werbung gegen Wirklichkeit

Im Rahmen einer Gemeinschaftsaktion haben die Verbraucherzentralen einen bundesweiten Marktcheck zum Thema Clean Label durchgeführt. Alle Ergebnisse findest du hier.

  • „Ohne Geschmacksverstärker“
    Vom Geschmacksverstärker Glutamat hast du sicher schon gehört und vermutlich auch nichts Gutes. Das haben auch die Lebensmittelhersteller inzwischen verstanden. Sie werben auf zahlreichen Produkten mit dem Hinweis „ohne Geschmacksverstärker“ oder auch „ohne den Zusatzstoff Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat“. Doch Achtung: Zahlreiche andere Zutaten wie Hefeextrakt, Sojasoße, Tomatenpulver oder Würze enthalten ebenfalls natürlicherweise Glutamat. Nur muss es bei diesen Zutaten nicht in der Zutatenliste stehen.
  • „Ohne Farbstoffe“
    Was macht den Kirschjoghurt mit gerade mal 2 Prozent Kirschen eigentlich so schön rot oder die Wasabi Nüsse so kräftig grün? Die Hersteller werben doch damit, „ohne künstliche Farbstoffe“ oder „ohne Farbstoffe“ auszukommen. Konzentrate oder Pulver aus Obst und Gemüse sind häufig die Lösung. Denn sie gelten als Zutaten, aber nicht als Zusatzstoffe (hier: Farbstoffe) und müssen daher keine E-Nummern in der Zutatenliste tragen. So kann Rote Bete-Saft im Joghurt einen höheren Kirschanteil oder Algenpulver einen besonders hohen Wasabi-Anteil im Nussmantel vorgaukeln.
  • „Ohne Konservierungsstoffe“
    „Ohne Konservierungsstoffe“ und doch so lange haltbar? Abhilfe schaffen andere Zusatzstoffe, die die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern können wie z.B. Antioxidationsmittel oder Säuerungsmittel. Aber auch Zutaten wie Senfsaaten, Essig, Zucker, Gewürz- oder Fruchtextrakte können konservierend bzw. antioxidativ wirken und den Einsatz von Zusatzstoffen überflüssig machen.
  • „Ohne künstliche Aromen“
    Wer Lebensmittel schätzt, bei denen der Geschmack aus den Zutaten stammt und nicht aus zugesetzten Aromen, sollte genau hinschauen. Erfrischungsgetränke, Knabberartikel, Joghurt und viele andere Produkte versprechen vollen Genuss, auch „ohne künstliche Aromen“. Doch das bedeutet nicht, dass der Hersteller komplett auf Aromen verzichtet. „Natürliche Aromen“ dürfen trotzdem eingesetzt werden. Diesen Begriff kann man durchaus falsch interpretieren. Natürliche Aromen werden nicht zwangsläufig aus der abgebildeten Frucht gewonnen, sie müssen lediglich aus natürlichen Ausgangsstoffen hergestellt werden, die rein gar nichts mit der Frucht zu tun haben müssen. So können etwa der Hauptaromastoff (Vanillin) für Vanilleprodukte oder typische Aromastoffe der Erdbeere aus Holzbestandteilen gewonnen werden.

Weitere Infos zu Zusatzstoffen findest du im Artikel Zusatzstoffe – Was verbirgt sich hinter den E-Nummern?