Magersucht - Der Körper als Feind
„Wow! Hast du abgenommen? Sieht gut aus!“ Nur ein paar Kilo weniger und alle Seiten loben dich. So fällt es leicht, die Diät weiterzumachen. Pfund um Pfund schmelzen. Doch wann ist der Körper dünn genug? Wenn du jetzt mit der Diät aufhörst, sind die Pfunde vielleicht schnell wieder drauf. Dann war alles umsonst. Außerdem: Sind die Hüften nicht immer noch etwas zu pummelig?
So fängt Magersucht häufig an. Eine Diät, viel Anerkennung und dann fehlt der Punkt, an dem Schluss mit dem Verzicht ist.
Schwierigkeiten in der Familie spielen ebenfalls eine große Rolle. Eltern, die besonders fürsorglich oder dominant sind, können dich sehr unter Druck setzen, zum Beispiel, wenn du den Eindruck hast, ihre Anforderungen nicht erfüllen zu können.
Auch die Angst davor, eine Frau zu werden, kann in die Magersucht führen. Durch die Unterernährung entwickelt sich der Busen weniger und die Figur bleibt mädchenhaft.
95 Prozent der Magersüchtigen sind weiblich und zwischen 15 und 23 Jahre alt. Viele Betroffene sind einem ungeheueren Leistungsdruck ausgesetzt. Ehrgeizig und diszipliniert meistern sie ihre Aufgaben perfekt. Diese Selbstbeherrschung wird auch beim Essen weitergelebt. Durch eiserne Kontrolle über jede Kalorie und die Überlegenheit über das Hungergefühl fühlen sich Magersüchtige selbstbewusster.
Oft fällt die Krankheit erst sehr spät auf, weil die Betroffenen sie gut verstecken können. Sie kochen sehr gerne für andere (essen dann aber selbst nicht mit) und finden immer eine Erklärung, warum sie gerade jetzt keinen Hunger haben.
Allerdings: Nicht jeder superschlanke Mensch ist magersüchtig.
Ab wann spricht man von Magersucht?
Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt es verschiedene Merkmale für eine Magersucht:
- Deutlich sichtbar für alle ist es, wenn jemand mit Absicht 20 Prozent seines Ausgangsgewichts innerhalb kurzer Zeit (etwa in 3 bis 4 Monaten) verliert. Die betreffende Person hungert, so viel es geht und wenn sie etwas isst, dann nur Lebensmittel mit möglichst niedrigem Kaloriengehalt. Außerdem ist sie körperlich sehr aktiv, oft geradezu „hyperaktiv“. Manchmal nimmt sie auch Abführmittel oder erbricht sich absichtlich.
- Ein deutliches Anzeichen bei Mädchen: die Regel bleibt dreimal nacheinander aus.
- Die Gedanken drehen sich ständig um Essen, Kalorien und die Figur. Trotz des großen Gewichtsverlustes fühlt sich die Person zu dick. So etwas wird Körperschemastörung genannt, weil die Betroffenen ein verzerrtes Bild von sich haben. Deshalb haben sie auch große Angst, wieder zuzunehmen.
- Das wahrscheinlich größte Problem für Mitmenschen, die helfen wollen: die betroffene Person merkt nicht, dass sie krank ist, oder will es sich nicht eingestehen.
Wenn du zu diesem Thema weitere Fragen hast, wende dich bitte an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Dort gibt es viele Informationen und eine Adressenliste mit Beratungsstellen in deiner Nähe.
Quelle: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

