Bulimie
Eine unappetitliche Vorstellung: nach einem leckeren Abendessen aufs Klo zu rennen, sich den Finger in den Hals zu stecken und die ganze Mahlzeit wieder zu erbrechen. Doch so unvorstellbar das klingen mag, für viele, vor allem Mädchen und junge Frauen, ist das der normale Alltag. Sie haben Bulimie, das heißt sie sind ess-brech-süchtig.
Wie kann es dazu kommen?
Die Krankheit kann verschiedene Ursachen haben, die meist eine gemeinsame Wurzel besitzen: Ess-Brech-Süchtige sind häufig Opfer eines übertriebenen Perfektionismus. Sie wollen alles hundertprozentig machen. Dadurch setzen sie sich selbst einem Druck aus, dem sie nicht standhalten können. Auch beim Essen zügeln sie sich, soweit es geht.
Das gängige Schönheitsideal der schlanken, selbstständigen Frau setzt Bulimikerinnen stark unter Druck. Aus Angst vor einer Gewichtszunahme erbrechen sie sich nach den Mahlzeiten.
Für viele Betroffene ist es schwierig, mit Gefühlen umzugehen. Ihr Selbstwertgefühl ist nicht stark genug für den Umgang mit Konflikten. Sie sind unsicher und leiden unter dem Erwartungsdruck ihrer Mitmenschen. Manchmal ist Trennungsangst von einer Bezugsperson ein Grund, nicht mehr Herr der eigenen Gefühle zu sein. In solchen Belastungssituationen kommt es dann zu Essanfällen.
Die Ess- und Brechanfälle verursachen meist große Schamgefühle und Frustration. Der Zwang zur Selbstkontrolle wird größer, bis die Person sich nicht mehr halten kann: Es kommt zu neuen Attacken.
Bulimie ist, wie auch die Magersucht, eher eine Frauenkrankheit. Acht Prozent der Frauen der westlichen Welt und ein Prozent der Männer sind ess-brech-süchtig. Die Betroffenen sind überwiegend zwischen 20 und 30 Jahre alt.
Etwa 50 Prozent waren früher magersüchtig.
Merkmale der Bulimie
- Drei Monate lang kommt es zu mindestens zwei Heißhungeranfällen pro Woche.
- Bei einem Heißhungeranfall werden große Mengen meist kalorienreicher Nahrungsmittel verschlungen und anschließend alles wieder erbrochen.
- Die Gedanken drehen sich ständig um Essen und Gewicht.
- Im Gegensatz zur Magersucht kommt es meist nicht zu dramatischen Gewichtsverlusten.
Auch wenn die Bulimie von außen nicht so deutlich erkennbar ist wie die Magersucht: sie ist eine Krankheit und muss geheilt werden. Denn es kann zu Gesundheitsschäden kommen: Zähne, Mundschleimhaut und Speiseröhre werden geschädigt. Auch Haarausfall, brüchige Nägel, schlechte Haut, niedriger Blutdruck, Menstruationsstörungen und ein gestörter Stoffwechsel können körperliche Folgen der Bulimie sein.
Wenn du zu diesem Thema weitere Fragen hast, wende dich bitte an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Dort gibt es viele Informationen und eine Adressenliste mit Beratungsstellen in deiner Nähe.
Unter diesen Links findest du ebenfalls Adressen von Beratungsstellen in deiner Nähe
- Uni Leipzig
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung
-
Quelle: Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

